Ich bin Sonja, die Gründerin von Zuckerschmuck und habe mir auf Basis meiner 37 Lebensjahre mit Diabetes Typ 1 Gedanken über das Thema mentale Gesundheit und Motivation bei Diabetes gemacht. Ganz nach meinem Motto „gibt dir jemand eine Zitrone, frag nach Salz und Tequila", alternativ kannst du aus der Zitrone natürlich auch Limonade machen. Hier meine 9 Tipps für einen entspannteren Umgang mit dem Diabetes:
1. Diabetes ist nur ein Teil von dir
Der wichtigste Punkt: Diabetes erfordert Aufmerksamkeit, aber lass ihn nicht komplett über dein Leben bestimmen. Mein Tipp: kümmere dich um ihn, tue das, was getan werden muss, berechne dein Essen und gib Insulin dazu ab — und dann lass es auch mal gut sein. Fokussier dich nicht 24 Stunden am Tag auf dein Anhängsel.
Klar, es gibt immer wieder Momente, in denen Aufmerksamkeit sein MUSS, zum Beispiel bei Hypos. Aber danach: lass dein Leben weitergehen und richte deine Aufmerksamkeit auf die Dinge, die du auch ohne Diabetes am liebsten tun würdest.
2. Technik wie Sensoren und Pumpen kann den Alltag deutlich vereinfachen
Am Anfang ist es oft schwer, sich mit den ganzen technischen Geräten anzufreunden. Wer will schon dauerhaft Plastikteile am Körper kleben oder Nadeln im Körper pieksen haben. Ich persönlich habe mich lange gegen eine Insulinpumpe gewehrt und wollte das Teil einfach nicht haben.
Jetzt kann ich sagen: es macht den Alltag so viel einfacher, vor allem seit den Hybrid-Closed-Loop-Systemen wie Mylife CamAPS FX mit Ypsopump und Dexcom. Mein Tipp: auch wenn du erst keine Lust auf diese Technik hast, informiere dich, was damit möglich ist, und probier es vielleicht doch mal aus. CGM-Sensoren wie Freestyle Libre, Dexcom oder Medtronic Enlite Guardian können den Alltag deutlich entspannter machen, weil du nicht ständig an den Blutzuckerwert denken musst, sondern automatisch gewarnt wirst, wenn etwas nicht passt. Auch für ruhige Nächte ein Segen.
3. Eigne dir Routinen an
Probier aus, wie eine bestimmte Situation am besten funktioniert (Sport, Party, Reise) und wiederhole dann diese Muster. Klingt langweilig, schafft dir aber viel Freiheit und macht dein Leben einfacher, wenn du nicht durch lästige Hypos gestört wirst.
Ein Beispiel aus meinem Alltag: wenn ich weiß, dass ich Sport machen will, esse ich entweder eine Stunde vorher und gebe dann den halben Bolus, um danach möglichst ungestört von Hypos durch den Sport zu kommen. Oder ich versuche, 2 bis 3 Stunden keinen Bolus abgegeben zu haben, damit ich auf geringer Basalrate starte. Dann brauche ich nur noch wenige Zusatz-Kohlenhydrate für den Sport und rausche nicht so schnell in die Hypo.
4. Mach deinen Diabetes schön
Klingt oberflächlich, aber aus Erfahrung zeigt sich, dass sich unsere menschliche Psyche durch manche Oberflächlichkeiten austricksen lässt. Nicht nur Kindern macht der Sensorwechsel auf einmal sogar etwas Spaß (na gut, oder ist zumindest nicht so lästig), wenn man sich bei der Gelegenheit einen neuen Sticker aussuchen kann.
Bei Erwachsenen funktioniert das erstaunlich ähnlich. Wenn ich ein bestimmtes Outfit trage und der Sensor sichtbar ist, passe ich gerne Tape und Sticker an das Outfit an. Und auf einmal kann ich meinen Sensor mit Stolz zeigen, den ich vorher lieber versteckt habe. Aus dieser Idee heraus habe ich, um mir selbst und anderen zu helfen, den ersten Diabetes-Sticker-Shop in Deutschland gegründet. Bei Zuckerschmuck findest du alles, was ich persönlich gerne als Kind selbst gehabt hätte, um mit meinem Diabetes besser klarzukommen :-)
5. Mach deinen Diabetes lecker
Damit meine ich: hab leckere und schnelle Hypo-Helfer dabei, die dir wirklich schmecken. Als Kind gab es bei mir nur Traubenzucker, immer und immer wieder den gleichen ohne Geschmack. Ich habe ihn gehasst.
Deswegen findest du bei uns inzwischen alle leckeren Traubenzucker-Variationen, von flüssigem Traubenzucker für unterwegs und beim Sport bis zu festen Täfelchen. Vorteil von flüssigem Traubenzucker: man kann leicht dosieren, weder zu wenig noch zu viel erwischen — bei Gummibärchen kommt man wegen Hypo-Heißhunger leicht ins Überzuckern.
Mein persönlicher Favorit: Dextro Energy Gums. Jedes Probiertütchen hat genau 10 g Kohlenhydrate, eine perfekte Einmaldosis ohne Gefahr, dass du wegen des leckeren Geschmacks nicht mehr aufhören kannst zu naschen.
Neben Hypos kann ich dir auch unsere Low-Carb-Süßigkeiten ans Herz legen. Hier kannst du auch mal etwas mehr naschen, ohne einen zweiten Bolus abgeben zu müssen — Low-Carb-Gummibärchen, Schokoladen und Kekse haben so wenig anrechenbare Kohlenhydrate, dass sie blutzuckertechnisch kaum ins Gewicht fallen. Wer nicht so gerne Süßes isst: bei unserer GI Pasta kannst du mit niedriger Bolus-Menge schlemmen, ohne die übliche Pasta-Achterbahn.
6. Such dir Gleichgesinnte und Motivation
In den letzten Jahren ist die Diabetes-Community wahnsinnig gewachsen und durch Social Media so genial einfach erreichbar, dass du auch abseits der großen Städte (wo es keine Selbsthilfegruppen gibt) so leicht Teil davon werden kannst wie noch nie. Halt auf Facebook, Instagram und TikTok Ausschau nach #diabetes und du wirst tolle Menschen und Motivation finden.
Die Erkenntnis, die mich selbst am meisten getragen hat: ich bin nicht allein, und es gibt so viele fantastische Menschen mit Diabetes, die dem Diabetes sogar etwas Gutes abgewinnen konnten. Ja, man mag es kaum glauben, aber viele fangen „dank" Diabetes an zu bloggen, in die Öffentlichkeit zu gehen, mutig zu werden, mehr Sport zu treiben oder gesünder zu leben. Zu was inspiriert dich dein Diabetes? Was hast du ihm vielleicht sogar zu verdanken?
Ich gebe zu, dieser Step hat bei mir persönlich fast 20 Jahre gedauert. In den 80er- und 90er-Jahren gab es allerdings auch keine Social-Media-Diabetes-Community. Deshalb gebe ich dir diesen Tipp weiter: lass dir die Motivation durch die Diabetes-Community nicht entgehen.
7. Meide Personen, die dich mit unangepassten Ratschlägen runterziehen
Erst vor Kurzem hatte ich auf Instagram mit dem Thema Kontakt und es hat mich gefreut, dass so viele Kommentare meine Meinung teilen: es gibt Menschen, bevorzugt aus dem medizinischen Sektor, die meinen, sich in deine Diabetestherapie einmischen zu können. Sie geben gut gemeinte Ratschläge, obwohl sie nicht vom Fach sind, und werden dermaßen unangenehm übergriffig, dass man hinterher schlecht gelaunt ist.
Beispiel: ich bekam mit 7 Jahren die Diagnose Typ-1-Diabetes, mein Zahnarzt befragte mich in den Folgejahren bei JEDEM Kontrolltermin nach meinem HbA1c-Wert und maßregelte mich in der Pubertät, wenn der Zielbereich nicht eingehalten war, mit dem „gut gemeinten" Hinweis, dass eine gute Diabetes-Einstellung so wichtig für die Zähne sei und ich sonst Parodontose bekommen würde. Jedes Mal habe ich mich geärgert, aber als Jugendliche nichts gesagt. Meine Zähne sind übrigens nach 37 Jahren mit Diabetes Typ 1 immer noch tadellos und ich habe keine Parodontitis. Vielleicht hatte ich einfach nur Glück, in jedem Fall waren die Anmerkungen für mich sehr störend.
Meine Schlussfolgerung: Ärzte, die ich wegen einem ganz anderen Thema als Diabetes aufsuche und die jedes körperliche Symptom auf den Diabetes zurückführen oder immer wieder auf das Thema Diabetes Bezug nehmen, wechsle ich direkt wieder. Wenn das nicht möglich ist: auf Durchzug schalten. Es gibt tatsächlich Wehwehchen, die nichts, absolut gar nichts mit Diabetes zu tun haben.
8. Sei stolz auf dich
Diabetes ist ein Dauerzustand, Urlaub und Auszeit nicht möglich. Deshalb: sei einfach stolz auf dich, dass du es schaffst, diese Aufgabe zu wuppen. Auch wenn Phasen dabei sind, die nicht leicht sind, in denen die Zielbereiche weitab der Realität liegen und der HbA1c nicht so ist, wie du ihn gerne hättest.
9. Mach das Leben mit Diabetes so bequem wie möglich
Du findest es lästig, deine CGM-Lesegeräte und Insulinpumpe mit dir herumzuschleppen? Finde die für dich bequemste Tragemöglichkeit heraus. Bei Zuckerschmuck haben wir hierfür aus unserer eigenen Lebenserfahrung verschiedene Möglichkeiten entwickelt:
Das elastische Bauchband mit drei integrierten Taschen nimmt alles auf, was du unterwegs brauchst, von Pumpe über Lesegerät bis Traubenzucker. Bauchband nicht dein Stil? Vielleicht ist es für dich angenehmer, die Pumpe in die Hosentasche zu stecken oder in eine unserer kleinen, sehr diskreten Pumpentaschen mit Clip oder Band.
Das Lesegerät oder Blutzuckermessgerät steckst du in eine hübsche Bauchtasche, eine Zubehör- oder Umhängetasche oder, wenn auf Reisen mit Diabetes mehr mit muss, in eine Reisetasche speziell für Diabetiker. Für Kinder mit Diabetes haben wir extra fröhliche Taschen im Sortiment, damit es Spaß macht, das Diabeteszubehör immer dabei zu haben — die Diabetes-Kids-Welt bündelt alles.
Ich würde mich riesig freuen, wenn dir der ein oder andere Tipp hilft, einen möglichst entspannten Umgang mit dem Diabetes zu entwickeln.
Hinweis: Dieser Artikel ist mein persönlicher Erfahrungsbericht und ersetzt keine ärztliche oder psychotherapeutische Beratung. Bei psychischer Belastung durch die Diabetes-Diagnose oder im Verlauf wende dich bitte an deine diabetologische Praxis oder eine psychotherapeutische Anlaufstelle.
Deine Sonja von Zuckerschmuck
