Diabetes im Sommer und auf Reisen – Was du wissen solltest

Frau hält Tasche für Diabeteszubehör in rosa aufgeklappt

Sonne, Wärme, Urlaub. Und der Diabetes ist natürlich mit im Gepäck.

Diabetes im Sommer bringt einige Besonderheiten mit sich, die Menschen mit Typ-1- wie mit Typ-2-Diabetes im Blick behalten sollten. Temperaturen über 30 Grad, veränderte Tagesabläufe, Bewegung im Freien und Reisen beeinflussen den Blutzuckerspiegel mehr, als man denkt. Hier findest du die wichtigsten Tipps für einen sicheren und entspannten Sommer mit Diabetes, mit einem kleinen Augenzwinkern und ganz ohne Hitzekoller.


1. Insulin und Hitze: keine gute Kombination

Insulin ist temperaturempfindlich. Wie warm Insulin werden darf, steht in der Packungsbeilage und unterscheidet sich je nach Präparat. Ein Beispiel: Ein gängiges kurzwirksames Insulin gehört ungeöffnet in den Kühlschrank (2 bis 8 °C), angebrochen darf es bis zu 4 Wochen gelagert werden, aber nicht über 30 °C [6]. Insulin über 30 Grad liegt damit außerhalb der Herstellerangabe, und im Auto oder in direkter Sonne wird es schnell so warm. Eine Übersichtsarbeit zur Insulinlagerung nennt hohe Temperaturen und direkte Sonne als Faktoren, die den Abbau von Insulin beschleunigen [2]. Wie schnell das geht, hat eine Cochrane-Übersicht für Humaninsulin ausgewertet: In Laborstudien blieb bei bis zu 37 °C über Wochen meist kein klinisch relevanter Wirkverlust, zwei Studien fanden aber bis zu 18 Prozent Verlust nach einer Woche bis 28 Tagen bei 37 °C [1]. Die Übersicht betrifft nur Humaninsulin, maßgeblich bleibt die Angabe zu deinem Insulin.

Tipp: Bewahre dein Insulin stets kühl auf, am besten in einer Kühltasche oder mit einem speziellen Insulin-Kühletui (mehr dazu in unserem Ratgeber zur Insulin-Kühltasche). Achte darauf, dass auch Blutzuckermessgeräte, Sensoren und Teststreifen keiner direkten Hitze ausgesetzt sind. Glukosesensoren können in überwärmter Haut außerdem falsche Werte messen, und bei Hitze können sich Klebepflaster von Sensoren und Insulinpumpen samt Gerät von der Haut lösen [7]. Was du dazu wissen solltest, steht in unserem Sommer-Ratgeber zum Sensor. Die genauen Temperatur-Grenzen pro Insulin-Variante stehen auf der Packungsbeilage.

Bei Zuckerschmuck findest du Taschen für Insulin auf Reisen: von der Diabetes-Reisetasche über die kühlende Insulin-Pen-Kühltasche bis zur Kühltasche für Insulin-Ampullen. Für die Pumpe gibt es eigene Insulinpumpentaschen.

Kennst du schon unsere Kühltaschen von FRIO? Es gibt sie in vielen Farben und Varianten, zum Beispiel diese: FRÍO Design Kühl-Reisetasche 2 Pens Tropical.


2. Flüssigkeitshaushalt: Trinken ist vor allem bei Diabetes wichtig

Bei hohen Temperaturen verliert der Körper schneller Flüssigkeit, durch Schwitzen und auch durch die Atmung. Bei Flüssigkeitsmangel kann der Blutzuckerspiegel steigen, da die Glukose im Blut „konzentrierter" wird. Gleichzeitig kann es bei sportlicher Aktivität oder Bewegung zu Unterzuckerungen kommen.

Tipp: Trinke ausreichend. Am besten Wasser oder ungesüßte Getränke. Ideal sind 1,5 bis 2 Liter täglich, bei Hitze auch mehr. Achte auf Anzeichen von Dehydrierung: Kopfschmerzen, Schwindel, Konzentrationsprobleme oder trockene Haut.


3. Bewegung und Sport: gut für den Blutzucker, aber nicht ohne Planung

Im Sommer sind viele aktiver, ob beim Schwimmen, Wandern oder Radfahren. Das ist grundsätzlich gut, aber erhöhte Aktivität kann zu Unterzuckerungen führen, insbesondere in Kombination mit Hitze. Die DDG-Praxisempfehlungen zu Diabetes und Sport halten fest, dass Hitze und Kälte das Zusammenspiel von Insulin, Glukose und Stresshormonen beeinflussen und in diesen Fällen häufigere Blutzuckerkontrollen angezeigt sind [3]. Die DDG-Arbeitsgruppe Diabetes, Umwelt und Klima rät, Bewegung bei Hitze möglichst in die frühen Morgen- oder späten Abendstunden zu legen [7].

Tipp:

  • Miss regelmäßig deinen Blutzucker, vor, während und nach dem Sport.
  • Hab immer schnell wirksame Kohlenhydrate dabei (z. B. Traubenzucker oder Fruchtsaft, mehr dazu in unserem Ratgeber zu Traubenzucker bei Unterzuckerung). Bei Hitze sind Unterzuckerungen tückisch, weil Schwitzen, Durst und Erschöpfung auch von der Hitze kommen können [7].
  • Beim Schwimmen werden Unterzuckerungen leicht übersehen. Trockne deine Hände vor der Glukosemessung sorgfältig ab [7].
  • Achte auch auf die Nachwirkung. Unterzuckerungen können einige Stunden nach dem Sport auftreten [3].

Für deine schnellen Kohlenhydrate unterwegs gibt es bei uns Hypoboxen, zum Beispiel die Diabetes HYPO BOX groß „Dont eat my Hypo Treats". Mehr Tipps speziell zum Thema Sport bei Diabetes findest du außerdem in unserem ausführlichen Sport-Hauptartikel.


4. Reisen mit Diabetes: Vorbereitung ist alles

Andere Zeitzonen, veränderte Essgewohnheiten oder ungewohnte körperliche Aktivitäten können den Blutzuckerspiegel beeinflussen. Auch das Risiko, wichtige Utensilien zu vergessen oder sie der Hitze auszusetzen, ist auf Reisen höher.

Tipp:

  • Nimm ausreichend Medikamente, Messgeräte und Zubehör mit. Lieber etwas zu viel als zu wenig.
  • Bewahre alles im Handgepäck auf, auch bei Flugreisen. Insulin gehört nicht in den Frachtraum, weil es dort sehr kalt werden kann und Insulin durch die niedrigen Temperaturen an Wirkung verlieren kann [8].
  • Für den Notfall: ein ärztliches Attest am besten auf Englisch, das das Mitführen von Insulin und Spritzen im Handgepäck bescheinigt. diabetesDE stellt einen Vordruck zum Download bereit [4]. Plus Diabetes-Notfall-Ausweis, Kopien der ärztlichen Bescheinigungen und ggf. einen internationalen Diabetes-Pass.
  • Sicherheitskontrolle am Flughafen: Die Hersteller geben unterschiedliche Hinweise. Abbott schreibt, dass du mit dem Freestyle Libre System durch Metalldetektoren gehen kannst, es aber bestimmten Ganzkörperscannern (Röntgen- und Millimeterwellen) nicht aussetzen solltest [9]. Dexcom erlaubt für den G7 Metalldetektoren und Körperscanner mit Advanced Imaging Technology und rät, im Gepäckscanner um eine Sichtkontrolle zu bitten [10]. Schau vor dem Flug beim Hersteller deines Geräts nach.

Damit du wirklich alle Utensilien, die deinen Diabetes betreffen, im Urlaub dabei hast, empfehlen wir dir eine unserer Reisetaschen. Der Vorteil ist, dass du alles zusammen verstauen kannst und nichts suchen musst. Klick dich gerne durch unsere Kategorie Diabetes-Reisetasche.


5. Fußpflege bei Diabetes nicht vernachlässigen

Im Sommer läufst du häufiger barfuß oder in offenen Schuhen. Das erhöht das Risiko für Verletzungen, Sonnenbrand oder Verbrennungen. Besonders bei diabetischer Neuropathie (vermindertes Schmerzempfinden, eine mögliche Spätfolge bei Diabetes) können kleine Verletzungen schnell übersehen werden. Die DDG-Arbeitsgruppe rät deshalb, bei Hitze nicht barfuß zu laufen [7]. diabetesDE empfiehlt, die Füße täglich auf Verletzungen oder Druckstellen zu untersuchen, weil Nervenschäden Warnsignale wie zu enge Schuhe oder ein Steinchen im Schuh oft nicht spüren lassen [5]. Das Stichwort dazu ist das diabetische Fußsyndrom, oft kurz „diabetischer Fuß“ genannt.

Tipp (nach diabetesDE [5] und der DDG-Arbeitsgruppe [7]):

  • Trage schützendes Schuhwerk, auch am Strand oder Pool.
  • Kontrolliere deine Füße täglich auf Verletzungen oder Druckstellen.
  • Creme deine Füße nach dem Waschen mit einer Feuchtigkeitscreme ein. So entstehen keine Hautrisse, die Krankheitserregern als Eintrittspforte dienen.
  • Kürze die Nägel möglichst mit einer Nagelfeile und entferne Hornhaut mit Bimsstein oder Hornhautfeile.
  • Trockne nach dem Baden vor allem die Zehenzwischenräume gut ab. Dort ist die Haut besonders anfällig für Pilzinfektionen.

Eine Pflegecreme für Beine und Füße findest du bei uns zum Beispiel mit der Diarin Bein- und Fußcreme.


Fazit: Mit Diabetes sicher durch den Sommer, mit Planung und Achtsamkeit

Mit Diabetes durch den Sommer zu kommen, ist machbar, wenn du ein paar Dinge im Blick behältst. Hitze, Flüssigkeitshaushalt, körperliche Aktivität und gute Vorbereitung machen den Unterschied. Und auch wenn der Sommer die ein oder andere Herausforderung bringt: Mit etwas Planung bleibt der Sommer, was er sein soll: Sonne, Wärme, Urlaub.


Häufige Fragen zu Diabetes und Hitze

Ist der Blutzucker im Sommer höher?

Das kann passieren, muss aber nicht. Ob der Blutzucker bei Hitze steigt oder fällt, hängt von mehreren Dingen ab. Ein hoher Blutzucker bei Hitze ist möglich, wenn Insulin zu warm gelagert wurde und an Wirkung verliert [2], oder bei Flüssigkeitsmangel. Alkohol und Koffein können bei Hitze zusätzlich zu Wasserverlust und Blutzuckerentgleisungen führen [7]. Gleichzeitig kann Insulin in warmer Haut deutlich schneller wirken, und bei Bewegung kommt es leichter zu Unterzuckerungen [7]. Deshalb rät die DDG-Arbeitsgruppe, bei Hitze häufiger zu messen [7].

Wirkt Insulin bei Hitze anders?

Ja, das kann passieren. Wird Insulin in erwärmte Haut gespritzt, ist die Haut stärker durchblutet, und das Insulin gelangt schneller ins Blut. Laut der DDG-Arbeitsgruppe Diabetes, Umwelt und Klima setzt die Wirkung dann teils drastisch schneller ein, Anpassungen der Insulindosis sind nicht selten nötig [7]. Sprich dazu mit deinem Diabetes-Team.


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Quellen

  1. Richter B, Bongaerts B, Metzendorf M-I. Thermal stability and storage of human insulin. Cochrane Database of Systematic Reviews 2023, Issue 11. Art. No.: CD015385. DOI: 10.1002/14651858.CD015385.pub2. Verfügbar unter: cochranelibrary.com/cdsr/doi/10.1002/14651858.CD015385.pub2.
  2. Heinemann L, Braune K, Carter A, Zayani A, Krämer LA. Insulin Storage: A Critical Reappraisal. Journal of Diabetes Science and Technology 2021;15(1):147–159. Verfügbar unter: pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC7783014.
  3. Esefeld K, Kress S, Behrens M, Zimmer P, Stumvoll M, Thurm U, Gehr B, Halle M, Brinkmann C. Diabetes, Sport und Bewegung. Diabetologie und Stoffwechsel 2023;18(Suppl 2):S314–S323. Praxisempfehlungen der Deutschen Diabetes Gesellschaft. Verfügbar unter: DDG Praxisempfehlungen Sport 2023 (PDF).
  4. diabetesDE, Deutsche Diabetes-Hilfe. Ärztliche Bescheinigung für Flugreisen und Grenzkontrollen. Vordruck zum Download. Verfügbar unter: diabetesde.org/aerztliche-bescheinigung-fuer-flugreisen-und-grenzkontrollen.
  5. diabetesDE, Deutsche Diabetes-Hilfe. Schenken Sie Ihren Füßen besondere Aufmerksamkeit. Verfügbar unter: diabetesde.org [Zugriff: 14.09.2026].
  6. Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA). NovoRapid: Zusammenfassung der Merkmale des Arzneimittels, Abschnitt 6.4 Besondere Vorsichtsmaßnahmen für die Aufbewahrung. Verfügbar unter: ema.europa.eu (PDF) [Zugriff: 14.09.2026].
  7. Deutsche Diabetes Gesellschaft, AG Diabetes, Umwelt & Klima. Information zum allgemeinen Verhalten von Menschen mit Diabetes bei Hitze. Stand 20.08.2024. Verfügbar unter: ddg.info (PDF) [Zugriff: 14.09.2026].
  8. diabinfo.de, Das Diabetesinformationsportal. Reisen mit Diabetes. Verfügbar unter: diabinfo.de [Zugriff: 14.09.2026].
  9. Abbott. FreeStyle Libre: Häufige Fragen zum Reisen. Verfügbar unter: freestylelibre.de [Zugriff: 14.09.2026].
  10. Dexcom. Kann ich das Dexcom G7 bei der Sicherheitskontrolle am Flughafen oder beim Fliegen tragen? Verfügbar unter: dexcom.com [Zugriff: 14.09.2026].

Hinweis: Dieser Artikel ist eine Sammlung praxisnaher Tipps und ersetzt keine ärztliche Beratung oder Ernährungsberatung. Bei Fragen zur Insulin-Lagerung im Detail (z. B. spezifische Hersteller-Specs einzelner Insulin-Varianten) wende dich an die Apotheke oder den Hersteller. Bei Fragen zu Therapie-Anpassungen rund um Hitze, Sport oder Zeitzonen-Wechsel an deine diabetologische Praxis.

Sonja Spörlein & Julia Becker

Unsere Autoren

Sonja Spörlein & Julia Becker

Redaktion Zuckerschmuck
Sonja Spörlein hat Zuckerschmuck 2015 gegründet und lebt seit ihrem siebten Lebensjahr mit Typ 1. In die Artikel sowie Produkte fließt ein, was sie als Kind, Studentin, im Job, beim Sport und als zweifache Mutter selbst gebraucht hat. Julia ist Sonjas rechte Hand bei Zuckerschmuck und schreibt gerne Blogartikel, ihren Typ 1 hat sie in der Schwangerschaft bekommen. Sonja nutzt eine Ypsopump im CamAPS-FX-Loop mit Dexcom, Julia eine Kaleido-Pumpe mit Dexcom. Beide schreiben aus eigener Alltagserfahrung.
Dr. med. Ilka Simon-Wagner

Fachlich gegengelesen von

Dr. med. Ilka Simon-Wagner

Fachärztin für Innere Medizin und Diabetologie
Ilka Simon-Wagner ist Fachärztin für Diabetologie und Innere Medizin und führt in dritter Generation die Praxis am Oberen Tor in Lichtenfels, die sie 1998 von ihrem Vater übernommen hat. Ihr Schwerpunkt ist die Diabetologie mit eigener Fußambulanz und Schulungszentrum, dazu gehören Einzel- und Gruppenschulungen zu Ernährung, Diabetes und Bluthochdruck. Die Praxis ist anerkannte Lehrpraxis der FAU Erlangen-Nürnberg.